Von Werner Vontobel

 
Die Impfung stärkt unser Immunsystem.  Doch es gibt auch noch andere, effizientere Immunbooster.
 

Wir hatten uns von der Impfung mehr erhofft. Der Lack bröckelt allmählich ab. In England etwa hatten Geimpfte im Alter von 30 und mehr per Mitte November statistisch gesehen ein etwa 70 Prozent höheres Ansteckungsrisiko als Ungeimpfte. Ihr Risiko eines schweren Verlaufs war zwar immerhin noch 66 Prozent geringer. (siehe hier) Aber auch das ist weit entfernt von dem ursprünglich in Aussicht  gestellten Risikoschutz von 90 bis 99 Prozent. In Deutschland ist bei den über 60 Jahre alten der Impfschutz gegen das Risiko einer symptomatischen Infektion auf 70 Prozent und gegen das Risiko einer Einlieferung auf die Intensivstation auf rund 80 Prozent gesunken. (siehe hier)Das sind zwar immer noch gute Werte, aber der Trend ist sinkend.

Die Wirkung nimmt rasant ab

 Das zeigt auch eine 1,6 Millionen Personen umfassende Studie aus Schweden. Danach nimmt die Schutzwirkung vor einer symptomatischen Infektion des Moderna-Impfstoffs innerhalb von 6 Monaten von 96 auf 59 Prozent ab. Pfizer-Biontech schneidet mit einem Rückgang von 92 auf 47 Prozent nach 6 Monaten noch schlechter ab und Astra-Zeneca nützt noch viel weniger: Schon nach nur 12 Wochen ist man mit dieser Impfung gleich ansteckend wie Ungeimpfte und nach vier Monaten war der Impfschutz ganz verschwunden, bzw. verkehrte sich sogar ins Gegenteil: Mit Astra-Zeneca geimpfte hatten sogar ein um 19 Prozent höheres Infektionsrisiko.
 
Diese Entwicklung ist dann nicht sehr überraschend, wenn man sich mal in Erinnerung ruft, wie unser Immunsystem tickt, und welche Rolle die Impfung dabei spielt: Nach einer ersten Infektion werden zunächst die T-Zellen aktiv. Sie töten die vom  Virus infizierten Zellen. Fitte T-Zellen sind deshalb vermutlich der Grund, warum weiterhin mindestens 95 Prozent aller mit Corona Ansteckungen einen symptomfreien oder milden Verlauf nehmen.

Die T-Zellen sind wichtiger als die Antikörper
 
Das unterstreicht auch diese Studie, wonach man bei leichten Covid-Verläufen eine starke T-Zellen-Reaktion beobachten kann, aber nur einen leichten oder gar keinen Anstieg der Antikörper. Bei den schweren Verläufen hingegen werden auch die Antikörper stark gefordert. Genau das sagt auch diese Studie aus Innsbruck: Je stärker die T-Zellen-Antwort, desto milder der Verlauf.  Im Klartext: Die Antikörper  werden nur gebraucht, wenn die T-Zellen-Abwehr zu schwach ist.

In diesen Fällen kann nun die Impfung dafür sorgen, dass die Antikörper schneller reagieren. Diese sind nämlich bei einer ersten Ansteckung – bzw. nach der Impfung - erst etwa nach zwei Wochen voll einsatzfähig, und ihre Produktion flaut – wenn die Infektion bekämpft ist - nach wenigen Monaten wieder ab. Gleichzeitig werden aber auch dauerhaft Gedächtniszellen hergestellt. Diese sorgen bei einer erneuten Corona-Infektion dafür, dass sofort – statt erst nach zwei Wochen – Antikörper gebildet werden.

Das bedeutet, dass die Impfung zweistufig wirkt. Erste Stufe: Die von der Impfung produzierte Antikörper sind noch voll einsatzfähig. Zweite Stufe: Die Antikörper werden dank der Impfung schneller gebildet. In beiden Fällen werden sie aber nur gebraucht, wenn die T-Zellen-Abwehr versagt hat. Inzwischen scheint es so, dass vor allem die erste Stufe wirkt. Im Falle von Astra-Zeneca offenbar nur die erste Stufe.

Impfstoffhersteller setzen neu auf T-Zellen
 
Deshalb interessieren sich die Impfstoff-Forscher jetzt vermehrt für die T-Zellen. In dieser Studie steht, dass Antikörper ihre Tücken haben und es wichtig sei, Impfstoffe zu entwickeln und bevorzugt anzuwenden, deren Impfstoffe vorab die T-Zellen aktivieren. Wie der TA am 19. November meldete wird an der Uni-Lausanne zurzeit an 26 Personen sogar ein T-Zellen-Impfstoff gegen Covid getestet. (hier) Er soll bewirken, dass die T-Zellen die infizierten Schleimhautzellen im Mund und Rachenraum schneller erkennen und bekämpfen können. (Dabei hilft übrigens auch Gurgeln mit Grüntee) Laut Pressemitteilung wirken T-Zellen-Impfstoffe gegen alle Varianten und machen die saisonalen Booster Impfungen überflüssig. Der Impfstoff werde allerdings erst 2025 verfügbar sein.
 
Das wirft die Frage auf, ob es nicht auch billigere und schnellere Möglichkeiten gibt, den T-Zellen auf die Sprünge zu helfen. Diese Frage bringt uns zurück auf Feld 1. Anfang Oktober 2020 hatte die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung aufgrund einer umfangreiche Literatur-Studie empfohlen,  unser Immunsystem mit den Vitaminen D und C, mit Zink, Selen und Omega 3 coronafit zu machen. Nach heftiger Protesten der Corona-Taskforce zog die SGE ihre Studie schon wenige Tage danach zurück und entschuldigte sich für das „Missverständnis“.

T-Zellen brauchen Vitamin D, doch davon haben die meisten zu wenig

 
Missverständnis? Googelt man „Immunsystem“ und wahlweise Vitamin D, C, Zink und Selen, erhält man Dutzende einschlägige wissenschaftlich Studien, (hier, hierund hier) wonach es sich dabei um unerlässliche Cofaktoren unseres Immunsystems handelt. Unter anderem erfährt man auch, dass alle T-Zellen einen Vitamin D-Rezeptor haben, weil sie dieses Hormon brauchen. Ebenfalls schon lange vor Corona ist bekannt, dass grosse Teile der Bevölkerung mit den erwähnten Wirkstoffen schlecht versorgt sind. Das gilt namentlich für das Vitamin D. Diese aktuellen Studiemit 8861 Patienten des Kantonsspitals Basel etwa besagt, dass nur 22% der Patienten über einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel von 30 ng/ml oder mehr aufwiesen. Bei 51 Prozent lag der Spiegel sogar unter 20 ng/ml.
 
Inzwischen gibt es aber auch schon zahllose Studien einen klaren Zusammenhang von Corona und Vitalstoffmängeln zeigen. Zu wenig Zink oder Selen erhöht das Risiko an Corona zu sterben um das vier- bzw. zwölffache  (hier) Am besten belegt ist aber die Wirkung von Vitamin D. So zeigt etwa diese Studie mit über 800 Personen aus China, das schon ein Vitamin-D-Spiegel von über statt unter 12 ng/ml reicht, um das Risiko eines schweren Verlaufs um 63% zu senken. Und aus dieser dieser Metaanalyse mit über 450'000 Corona-Patienten geht hervor,  dass ab einem Spiegel von 50 ng/ml Todesfälle extrem unwahrscheinlich sind. Weitere 140 Studien siehe hier.
Die Vitamine D und C, Zink, Selen usw. haben den Vorteil, dass ihr Wirkungsmechanismus auf der zellulären Ebene bestens bekannt und erforscht und seit Millionen Jahren erprobt ist. Das heisst nicht, dass sie immer wirken. Etwa dann nicht, wenn die Aufnahme über den Darm nicht funktioniert, oder wenn die durch den Mangel hervorgerufenen Schäden schon weit fortgeschritten sind. Dann ist ärztliche Kunst mehr gefragt als eine simple Supplementierung. In den allermeisten Fälle dürfte diese jedoch zumindest zu einer Besserung führen. Bei den Medikamenten und Impfstoffen ist der Wirkungsmechanismus und die möglichen Nebenwirkung weit weniger erprobt. Die Fragezeichen sind grösser.

Das hätten wir viel billiger haben können

In einem sehr optimistischen Szenario können wir davon ausgehen, dass Geimpfte, sofern sie periodisch geboostert werden, mit 70 Prozent weniger Wahrscheinlichkeit andere anstecken und 80% weniger Gefahr laufen, hospitalisiert zu werden. Die vorliegenden Studien lassen indes erwarten, dass man eine gleich gute, wenn nicht bessere Wirkung auch von einem Vitamin-D-Spiegel über 40ng/ml - erwarten kann. Vor allem, wenn man auch noch andere Co-Faktoren supplementiert.
 
Zudem sinkt damit auch die Wahrscheinlichkeit, wegen irgendeiner anderen Krankheit ein Spitalbett beanspruchen zu müssen. Gemäss diese Studiemit 37'000 Teilnehmern, senkt ein um je  4 ng/ml höherer Vitamin D-Spiegel das Mortalitätsrisiko über alle Krankheiten gesehen, um 12 Prozent.
 
51% der Schweizer Spitalpatienten haben einen Spiegel von weniger als 20 ng/ml.  40 ng/ml wären erstrebenswert. Damit könnte man das Mortalitätsrisiko und damit wohl auch die Spitalaufenthalte mehr als halbieren. Um diesen Wert zu erreichen, braucht es gemäss dem Vitamin-D-Rechner der Sonnenallianz eine Initialdosis von 20 Tagen zu 7'700 und eine Erhaltungsdosis von 3200 Einheiten. Das ergibt jährliche Kosten von rund 10 Franken. Mit weiteren rund 40 Franken könnte man auch den Bedarf an Zink, Selen und Vitamin K2 decken. Bei rund 2 Millionen „vulnerablen“ bzw. immunschwachen Personen wäre das ein jährlicher Aufwand von 100 Millionen Franken - ein Klacks.
Das klingt fast zu schön, um realistisch zu sein. Stimmt. Garantien gibt es nicht, aber wir haben in dieser Pandemie schon viel mehr Geld auf wesentlich weniger erfolgversprechende Massnahmen gesetzt, statt zunächst einmal die tiefer hängenden Früchte zu pflücken.
 
 
 
 
 
Quellen:
 
England abnehmende Impfwirkung
 
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1029606/Vaccine-surveillance-report-week-43.pdf
 
 
RKI zur abnehmenden Wirkung der Impfstoffe
 
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-11-18.pdf?__blob=publicationFile
 
Studie aus Schweden
 
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3949410
 
T-Zellen wichtiger als Antikörper
 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7452821/
 
Studie Uni Innsbruck
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2021.684014/full
 
Studie T-Zellen wichtiger als Antikörper
 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7696052/
 
 
 
Studie Uni Lausanne
 
https://emergexvaccines.com/emergex-announces-approval-to-initiate-phase-i-clinical-trial-of-its-next-generation-covid-19-vaccine-candidate/
 
 
 
Grüntee
https://taiyogmbh.com/de/gruentee-extrakte-machen-coronaviren-unwirksam/
 
D-Mangel Schweiz
 
https://smw.ch/article/doi/smw.2021.20470
 
Studien zu Zink und Selen
(https://www.mdpi.com/2072-6643/13/10/3304/htm)
 
 
 
Vitamin D senkt Covid-Risiko um das 14 fache
 
https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(21)00247-9/fulltext
 
ab 55 ng/ml Vitamin D auf der sicheren Seite
 
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34684596/
 
weitere Studien Vitamin D und Covid
https://vdmeta.com
 
Vitamin D all cause mortality
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8496747/
 
 
 
 
 
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