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29.11.2019 – Wie der TA die Rentner für dumm verkauft - und kassiert

Der Tages-Anzeiger rät den ärmeren unter den (künftigen) Rentnern, sie sollten die Hälfte ihres Rentenanspruchs als Kapital beziehen – und in einen dubiosen Fonds investieren.
 
Der Titel ist nicht ganz falsch: „Bad New, ihre Rente wird nicht ganz reichen“. Das trifft vermutlich für die meisten zu. Allenthalben senken die Pensionskassen ihre Umwandlungssätze. Haben vor wenigen Jahren pro 100'000 Franken Sparkapital noch 6,8000 Franken Rente bezahlt, so zahlen heute viele Kassen nur noch 5'000 oder gar nur 4'500 Franken. Das macht vielen Leuten Angst – und diese Angst wird von der Finanzindustrie gezielt ausgebeutet. Auch mit ganzseitigen Inseraten – die aber zur Steigerung der Glaubwürdigkeit wie redaktionelle Texte daherkommen. TA-Media kassiert.
 
„Good News“,  geht es weiter im Text. „Man kann einiges tun, um im Ruhestand trotzdem genug Einkommen zu erzielen. Wichtig ist, dass man rechtzeitig handelt. Hier erfahren sie wie.“ Ja wie? Der erste Tipp geht an die Leute, die eh schon viel Geld haben: So viel in die Pensionskasse einzahlen, wie man kann oder hat. Dank den Steuerersparnisse könne man auf diese Weise auch dann eine Rendite von 4 bis 9% erzielen, wenn die Pensionskasse schlecht performt.  Das ist wohl richtig, aber unsympathisch. Letztlich plündert man damit die Staatskasse. Genau mit dieser Absicht hatte die Versicherungslobby diese Nachzahlungsmöglichkeiten einst durchgesetzt.
 
Der zweite Tipp ist nun aber nicht nur unsympathisch, sondern zumindest grobfahrlässig: „Zweite Möglichkeit, auch für Rentner, die nicht mehr oder gar nicht sparen können. Wählen sie nicht die Rentenauszahlung für Ihr Guthaben, sondern beziehen sie dieses als Kapital, oder zumindest einen Teil davon. Zum Beispiel die Hälfte.“  Zur Begründung sagt uns der Autor Mark van Huisseling sinngemäss, es sei jedem Laien möglich, mehr Rendite zu erzielen als die Pensionskassenprofis, weil... ja weil man mehr Risiko eingehen könne.
 
Das ganze läuft darauf hinaus, dass man 100'000 Franken oder mehr in einen Fonds der Geneve Invest investieren soll, der eine „verlässliche“ Rendite von 6% pro Jahr anstrebt. „Damit gerieren sie ein berechenbares und zuverlässiges Zusatzeinkommen zur Pensionskasse und AHV.“
 
Könnte sein. Könnte. Doch in einer Zeit, in der selbst Hedgefonds Verluste schreiben, sind solche Renditeversprechen schlicht unseriös.  Und die Empfehlung, die Hälfte einer bescheidenen Renten auf ein einziges unbekanntes Pferd zu setzen, grenzt an Wahnwitz, zumal man auf der Homepage der GI nur das allernötigste erfährt. 
 
Heisser Tipp an die Kollegen und Kolleginnen vom TA: Nehmt diese Genfer Firma einmal genau unter die Lupe. Es könnte sich auch dann (journalistisch) lohnen, wenn dieser Beitrag nicht gesponsort wird.


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